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Amazon FBA & Pan-EU – Umsatzsteuer in Tschechien

Amazon FBA & Pan-EU – Umsatzsteuer in Tschechien

Wir sind für euch nach Prag geflogen und haben mit den beiden Steuerberatern Herrn Dr. Schaffer und Herrn Felenda von der Kanzlei Schaffer und Partner s.r.o., Prag, gesprochen. Dabei ging es um die Besonderheiten und die Abwicklung der steuerlichen Belange deutscher Amazonhändler mit Lager in Tschechien, die am EFN- oder PAN-EU Netzwerk von Amazon teilnehmen.

 

1. Steuerliche Registrierung in Tschechien, ja oder nein?

Auf jeden Fall. Wie in den meisten europäischen Ländern gilt auch hier, wer in Tschechien eine Betriebsstätte (Amazonlager) unterhält und aus dieser heraus Verkäufe im Rahmen des Onlinehandels tätigt muss dafür auch Steuern in Tschechien anmelden und abführen. Um dies vorzunehmen kommt ihr um eine Registrierung nicht herum.

 

2. Wie funktioniert die Registrierung?

In erster Linie gilt es eine Reihe Dokumente zu sammeln. Hierzu gehören zum Beispiel eine beglaubigte Kopie eures Personalausweises, eine beglaubigte Kopie des Handelsregisterauszuges (wenn vorhanden) und die Bestätigung des Finanzamtes, dass es sich bei euch tatsächlich um ein existierendes Unternehmen handelt. Grundsätzlich gilt, dass die Beglaubigung durch einen Notar erfolgen muss. In manchen Ländern ist zusätzlich die so genannte Apostille notwendig. Mit dieser wird vom Landgericht bestätigt, dass es auch den beglaubigenden Notar gibt. In Tschechien können wir darauf aber verzichten.
Die gesammelten Werke müssen anschließend in die tschechische Sprache übersetzt werden und zusammen mit dem Antrag auf Erteilung einer Steuernummer beim Finanzamt Ostrava  eingereicht werden. Dieser Vorgang wird idealerweise von einem Steuerberater vor Ort durchgeführt, dieser steht dann auch bei Fragen seitens des Finanzamtes zur Verfügung.

Da vor kurzem das zuständige Finanzamt für die Erteilung der Steuernummern geändert wurde, kann es derzeit zu langen Bearbeitungszeiten kommen. Plant euren Beitritt zum EFN- oder PAN-EU Network also sehr rechtzeitig.

 

3. Die Steuernummer ist da, was kommt jetzt?

Mit Erteilung der Steuernummer können erstmalig Verkäufe aus Tschechien durchgeführt werden. Wer voreilig den Haken bei Amazon gesetzt hat und bereits Verkäufe ausgeführt hat, sollte sich auch vorab mit uns in Verbindung setzen. Wir koordinieren dann die Korrekturen in Deutschland und Tschechien mit den zuständigen Steuerberatern.

 

4. Bestellung rein, Ware raus, Rechnung hinterher!

Rechnung? Ja Rechnung! In Tschechien ist die Erstellung einer Rechnung für Verkäufe im Versandhandel Pflicht. Diese enthält sogar ein paar mehr Anforderungen als unsere deutsche Rechnung. So müssen neben den gängigen Daten bei Lieferungen im B2B- Bereich immer die Umsatzsteuer – ID des Kunden und des Lieferanten angegeben werden. Darüber hinaus müssen alle Rechnungen in Tschechisch und in tschechischen Kronen ausgestellt werden.

 

5. Die Meldung der Umsatzsteuer

Umsatzsteuervoranmeldungen sind in ganz Europa unterschiedlich. Doch in Tschechien kommt diese mit insgesamt 3 Formularen daher, diese können derweil online ausgefüllt und versendet werden, stehen aber nur in Tschechisch zur Verfügung. Wer also nicht erstklassig tschechisch spricht, sollte auch hier auf den Steuerberater setzen. Für die Übertragung der Umsatzzahlen können verschiedene Wege genutzt werden. Der einfachste und Fehlerunanfälligste ist die Übertragung der Bearbeitungsdaten und der Umsatzlisten. Zusätzlich sollte zur ersten Anmeldung auch die erste Rechnung in Papier eingereicht werden, diese muss den bereits oben genannten Vorgaben entsprechen.

 

6. Lieferschwelle und Optierung

Wie in allen Ländern gilt es auch für die tschechischen Verkäufe die Lieferschwellen zu überwachen und die Ergebnisse in die steuerliche Beurteilung einzubeziehen. Nach Überschreitung der Lieferschwelle für Deutschland (100.000,00 €) beispielsweise werden die Umsätze nicht mehr in Tschechien, sondern in Deutschland versteuert. Wer nicht so lange warten möchte kann die Abkürzung nehmen: Das wäre dann die sogenannte Optierung zur Lieferschwelle. Dabei wird dem Finanzamt erklärt, dass ihr auf die Anwendung der Lieferschwelle verzichtet und alle Verkäufe aus Tschechien nach Deutschland fortan auch in Deutschland zu versteuern sind.

Wann macht eine Optierung Sinn? Immer dann wenn der Steuersatz im Empfängerland günstiger als der des Absenderlandes ist. In unserem Fall wäre das der Fall: Deutschland 19% < Tschechien 21%

Wichtig: Die Optierung befreit dabei nicht von der Pflicht zur Abgabe der Umsatzsteuererklärung. Pakete die aus dem tschechischen Lager in andere Länder versendet werden, können nach wie vor Steuern auslösen.

 

7. Eine Prüfung des Finanzamts

Prüfungen vom tschechischen Finanzamt erfolgen meist in dem selben Schema wie in anderen europäischen Ländern. Die Unterlagen werden bei dem Unternehmen oder dem steuerlichen Vertreter angefordert und dann im Finanzamt geprüft. Die Unterlagen müssen dann lückenlos und in tschechischer Sprache vorliegen. Es ist dringend zu empfehlen die Prüfung durch einen Steuerberater vor Ort begleiten zu lassen.

 

Fazit:

Die Abwicklung ist in Tschechien vergleichsweise einfach. Wer kein tschechisch spricht kommt aber um einen Steuerberater vor Ort nicht rum. Auch wer den Haken zum Network von Amazon zu früh gesetzt hat, kommt in Tschechien vergleichsweise glimpflich davon. Dennoch raten wir dringend dazu, sich erst über steuerlichen Besonderheiten in den Ländern zu informieren, anschließend die Registrierungen vorzunehmen und erst mit Eingang der Steuernummer das Amazon Network zu aktivieren. Denn auch hier gilt, ist der erste Verkauf aus dem tschechischen Lager erfolgt, gibt es kein zurück.

 

AccountOne:

AccountOne übernimmt nicht nur die Generierung der tschechischen Umsätze, sondern meldet diese auch an den zuständigen Steuerberater. Darüber hinaus nehmen wir die steuerliche Anmeldung in Tschechien vor und sorgen mit unserem Cashpool für die rechtzeitige Zahlung der anfallenden Steuern. Im Falle der verspäteten Registrierung koordinieren wir die Korrektur in Deutschland und Tschechien.

Gordian Brockstedt

Gordian Brockstedt ist seit 2008 in der Steuerbranche tätig. Seine Ausbildung absolvierte er in einem Flensburger Steuerbüro durchlief anschließend mehrere Stationen in Steuerbüros und der freien Wirtschaft. Über 10 Jahre betreut Gordian Brockstedt bereits Onlinehändler aus Europa, den USA und Asien im Bereich der Buchhaltung und Steuern. Im Jahre 2016 entstand die Idee zu AccountOne die zusammen mit 2 Partnern kurz darauf in die Welt gesetzt wurde.

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